Den Softwareentwickler von damals wird es bald nicht mehr geben.
Werden Entwickler durch KI ersetzt? Ein Rückblick von der Lehre ohne KI bis heute – und warum Codeverständnis und Sicherheit wichtiger sind denn je.
Schön, dass du es in meinen ersten Blog-Beitrag geschafft hast. Danke!
Wer nicht unter einem Stein lebt, wird mitbekommen haben, wie mächtig und insbesondere wie schnell neue KI-Modelle von den grössten Playern der Branche voranschreiten.
Es ist rational gesehen unglaublich, wie weit es die Menschheit seit 4(!) Jahren geschafft hat, entsprechende KI-Modelle skalieren und verbessern zu können. Doch was ist mit dem Beruf, den ich erlernt habe?
Dadurch, dass ich meine Lehre an der Bénédict-Schule in Luzern abschloss, fand der theoretische Teil meiner Lehre bereits fast ausschliesslich in den ersten zwei Jahren statt, 2020 bis 2022. Zu dieser Zeit war es noch nicht möglich, entsprechende Theorieaufgaben strukturiert mit KI lösen zu können, geschweige denn diese Technologie zu nutzen, um zu lernen.
Die Welt änderte sich, als Ende 2022 dann OpenAI den ersten auf LLM-Technologie basierenden Chatbot für Normalsterbliche veröffentlichte und die Menschen ins Staunen versetzte. Der Gedanke, mit einem Chatbot über fast alles schreiben zu können, fühlte sich damals für mich unglaublich an. Dass das jedoch dazu führen würde, dass sich mein Beruf massiv verändert, konnte ich damals nur leicht erahnen. Schliesslich sind das Schreiben von Code und die entsprechende Implementierung mit dem theoretischen Wissen, das man dafür braucht, komplex.
Hätte man mir damals, vor gerade einmal vier Jahren, erzählt, dass man heute mithilfe des Clean-Room-Verfahrens und einer KI ein Programm wie Photoshop weitgehend nachbauen kann, das später als in Rust geschriebenes Open-Source-Projekt «PhotoCraft» veröffentlicht wird, ich hätte dies niemals geglaubt. Doch nun stehen wir an dem Punkt, an dem wir Softwareentwickler uns ernsthaft Gedanken darüber machen müssen, wie wir uns an den Anstieg der Automatisierung anpassen werden.
Die grösste Hürde eines Softwareentwicklers war es, die entsprechenden Programmiersprachen zu erlernen und daraufhin lauffähige Produkte zu entwickeln, die Probleme lösen. Syntax musste entweder selbst geschrieben werden, oder man übernahm eine teilfertige Lösung von Stack Overflow.
Dies ist heute nicht mehr die Realität.
Code wird heute durch KI-Modelle schneller geschrieben, als es sich jeder Entwickler jemals hätte erträumen können. Natürlich machen KI-Modelle Fehler, aber jeder Entwickler, der dieses Tool nicht nutzt, wird von einem Entwickler überholt, der es richtig nutzt. Als Coding-Buddy, als jemand, der seine Software zwar schreiben lässt, aber sie versteht und geschickt kontrolliert. Die Prozesse, die man in der Lehre lernt, werden auch im KI-Zeitalter wichtig sein, aber das tatsächliche Schreiben von Code wird eines Tages in den Hintergrund rücken. Ob wir wollen oder nicht.
Das zeigt sich auch in meinen eigenen Projekten: Früher musste ich mich mit einer Idee meist zügeln, weil ich die entsprechende Sprache, bei der die Idee am meisten florieren kann, noch nicht genügend beherrschte, um die Lösung zeitnah vervollständigen zu können. Heute kann ich mit Claude Opus 5.5 oder sogar Fable 5.1 viele Ideen in meinem Kopf quasi ohne viele Hindernisse umsetzen. Ob diese Softwarelösungen produktivfähig sind, ist eine andere Frage. Die wichtige Frage bleibt, wie lange es noch dauert, bis sie nicht nur für lokale Spielereien, sondern auch in einer sicheren, produktiven Umgebung einsetzbar sind. Genau hier ist es aber noch heikel: die Sicherheit. Spätestens seit man von KI-Agenten liest, die es bei OpenAI geschafft haben, selbständig aus einer geschlossenen Umgebung auszubrechen, indem sie Schwachstellen in ihrer Testumgebung ausnutzten, ist klar: Wer seinen Code nicht kennt und versteht, geht ein Restrisiko ein, das verheerende Folgen für Unternehmen haben kann.
Werden wir Entwickler durch KI ersetzt? Ich denke nicht, aber unser Beruf wird sich verändern und hat sich bereits sehr verändert, und die menschliche Kreativität, aus nichts neue Ideen zu schaffen, wird wichtiger, als logische Syntax zu schreiben, die die Idee implementiert.
